Haushaltsrede Poppenhausen (Wasserkuppe)
DOWNLOAD
Haushaltsrede der Bürgermeisterin Alexandra Ballweg
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder der Gemeindevertretung, des Gemeindevorstandes
liebe Bürgerinnen und Bürger,
wenn wir heute über den Haushalt unserer Gemeinde beraten,
dann sprechen wir nicht nur über Zahlen.
Wir sprechen über die Grundlagen unseres täglichen Zusammenlebens und über Verantwortung – für unsere Gemeinde und für die Menschen, die hier leben.
Poppenhausen ist engagiert und lebendig.
Viele Bürgerinnen und Bürger sorgen Tag für Tag dafür, dass unsere Gemeinde funktioniert: in der Feuerwehr, in Vereinen, in der Kinder- und Jugendarbeit oder ganz praktisch im Alltag vor Ort. – sehr viele davon ehrenamtlich.
Dieses Engagement ist keine Selbstverständlichkeit.
Es ist das Rückgrat unserer Gemeinde, und es verpflichtet uns als Kommune zu verantwortungsvollem Handeln.
Gleichzeitig erleben wir, wie stark kommunales Handeln – gerade in kleinen Gemeinden – unter Druck geraten ist.
- Pflichtaufgaben nehmen zu,
- Standards steigen,
- Vorgaben werden komplexer.
Die Kommune steht täglich an vorderster Front:
- bei Kindertagesstätten,
- bei Straßen und Wegen,
- bei der Wasserversorgung,
- bei der Feuerwehr und
- bei Bürgerdienstleistungen.
Wir erfüllen diese Aufgaben gerne und mit Überzeugung. Aber wir müssen auch ehrlich sagen:
Auf Dauer wird das nicht funktionieren, wenn immer neue Anforderungen hinzukommen, ohne dass sie finanziell hinterlegt sind.
Ein Großteil unserer Arbeit ist dabei kaum sichtbar, ist nicht „sexy“.
Niemand freut sich öffentlich über ein erneuertes Wasserrohr oder eine sanierte Leitung.
Das ist in den Augen der Meisten eine Selbstverständlichkeit.
Niemand schneidet ein Band durch, oder lässt sich mit Schippen in der Hand fotografieren, wenn Gesetze eingehalten, Standards erfüllt oder Pflichtaufgaben abgesichert werden.
Und doch sind genau diese Maßnahmen entscheidend für Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und der allgemeinen Sicherheit in unserer Gemeinde.
Diese Dinge werden zum Thema, wenn sie nicht funktionieren.
Aber soweit soll es ja nicht kommen.
Aktuell investieren wir viel Zeit und Mittel in Dinge, die man auf den ersten Blick nicht sieht:
- in die laufende Dorfmoderation, die Mitte dieses Jahres abgeschlossen wird und bald ein wenig sichtbarer wird, wenn die Bürgerversammlungen stattfinden,
- in die Analyse der Gesamtwassersituation und die Erstellung einer belastbaren Wasserbilanz für die Gesamtgemeinde,
- in die Vorbereitung weiterer Schritte bei Wasserversorgung,
- kommunale Wärmeplanung,
- Straßenbau und Ortsentwicklung,
- in notwendige Digitalisierung und Modernisierung in der Verwaltung sowie
- in Nachhaltigkeitsverbesserungen.
Nach vielen Jahren des Investierens, Bauens und des Erwerbs von Grundstücken haben wir uns bewusst entschieden, das Jahr 2026 zu nutzen, um
- innezuhalten,
- zu analysieren und
- zu priorisieren.
Nicht, weil nichts mehr zu tun wäre – sondern weil verantwortungsvolles Handeln auch bedeutet, gute Entscheidungen für die nächsten Jahre vorzubereiten.
Trotzdem – oder auch deshalb – bleibt die finanzielle Situation angespannt.
Der Haushalt weist ein Defizit von 376.000 Euro aus.
Dieses Defizit ist zwar geringer als im Vorjahr, aber nicht, weil die Herausforderungen kleiner geworden wären, sondern weil wir größere Brocken aus den Aufwendungen herausgenommen, Investitionen strikt auf das Notwendige begrenzt und die Grundsteuer und Gewerbesteuer solide, aber mit Bedacht erhöht haben.
Ein zentrales Thema bleiben die Umlagen. Auch in diesem Jahr belaufen sich die zu zahlenden Umlagen auf rund 2,5 Millionen Euro, während wir Schlüsselzuweisungen in Höhe von etwa 0,9 Millionen Euro erhalten. Damit verbleibt ein Betrag von rund 1,6 Millionen Euro, den unsere Gemeinde aus eigenen Mitteln tragen muss.
Das ist zwar deutlich besser als im Vorjahr – damals erhielten wir keine Schlüsselzuweisungen und zahlten Umlagen von rund 7 Millionen Euro –, aber auch die gegenwärtige Situation offenbart sehr deutlich die strukturelle Schieflage kommunaler Finanzierung. (Anm.: Schlüsselzuweisungen und Umlagen sind Verteilmechanismen zwischen den Kommunen)
Diese Situation ist kein Einzelfall und kein hausgemachtes Problem Poppenhausens. Sie ist Ausdruck eines Systems, in dem Kommunen immer mehr leisten sollen, ohne dass die Finanzierung Schritt hält. Deshalb richte ich an dieser Stelle eine klare Erwartung an Land und Bund:
Bürokratie überdenken, das Konnexitätsprinzip verlässlich anwenden und Rahmenbedingungen schaffen, die die Realität kleiner Kommunen und des Ehrenamtes ernst nehmen.
Wer hohe Standards setzt, muss auch dafür sorgen, dass sie vor Ort leistbar und praktikabel umgesetzt werden können.
Als Bürgermeisterin ist es mir wichtig, Verantwortung anzunehmen – für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger, für die Menschen, die diese Verantwortung ehrenamtlich mittragen, und für die Zukunft unserer Gemeinde.
Der Haushalt, den ich Ihnen heute vorlege, ist kein Haushalt der großen Gesten, sondern ein Haushalt der Substanzerhaltung, der Analyse und der Vorsorge. Er soll sicherstellen, dass Poppenhausen auch künftig lebens- und liebenswert bleibt – für unsere Bürgerinnen und Bürger, für Arbeitgeber, für neue Mitbürgerinnen und Mitbürger und für Gäste und Touristen.
Vor diesem Hintergrund möchte ich nun auf die konkreten Zahlen, Maßnahmen und Schwerpunkte dieses Haushalts eingehen.

Zusammenfassung der Erträge
Die Steuern und gesetzlichen Umlagen belaufen sich im Haushaltsjahr auf 4,18 Mio. € und liegen damit leicht unter dem Vorjahreswert von 4,25 Mio. €. Ursache hierfür ist insbesondere der Rückgang der Gewerbesteuer von 1,95 Mio. € (2025) auf 1,70 Mio. € (2026). Positiv wirken sich hingegen die gestiegenen Gemeindeanteile an der Einkommen- und Umsatzsteuer aus, die zusammen ein Plus von rund 92.000 € verzeichnen.
Die Zuweisungen und Zuschüsse steigen deutlich auf 1,56 Mio. € (Vorjahr: 0,93 Mio. €). Hauptgrund ist die Schlüsselzuweisung in Höhe von rund 910.000 €, während im Vorjahr noch ein Nullbescheid vorlag.
Die Leistungsentgelte erhöhen sich auf 1,20 Mio. € und liegen damit 21.700 € über dem Vorjahr. Dies ist vor allem auf die Erhöhung der Wassergebühr von 1,66 € auf 1,96 € je Kubikmeter sowie den Wegfall von Starkverschmutzerzuschlägen im Abwasserbereich zurückzuführen.
Die Auflösung von Sonderposten bleibt mit 518.336 € auf Vorjahresniveau und resultiert aus der planmäßigen Auflösung von Investitionszuschüssen. Die sonstigen ordentlichen Erträge gehen hingegen deutlich auf 135.450 € zurück, da im Vorjahr einmalige Erträge aus der Auflösung hoher Rückstellungen enthalten waren. Enthalten sind unter anderem Konzessionsabgaben von rund 70.000 € sowie Schadensersatzleistungen von etwa 20.000 €.
Insgesamt zeigt sich eine stabile Ertragslage, bei der der Rückgang der Gewerbesteuer durch höhere Zuweisungen und steigende Steueranteile weitgehend kompensiert wird.
Zusammenfassung der Aufwendungen:
Die Personalaufwendungen steigen im Haushaltsjahr auf 2,42 Mio. € und liegen damit 228.890 € über dem Vorjahreswert. Ursächlich hierfür sind insbesondere die Tarifsteigerungen, die auch für 2026 berücksichtigt wurden. Zudem erwies sich der Ansatz 2025 aufgrund der unerwarteten Tarifentwicklung als nicht auskömmlich. Eine weitere Rolle spielt die Anpassung der Personalkosten an die tatsächliche Verbuchung, da der Stellenplan Bestandteil des Haushalts ist.
Die Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen gehen deutlich auf 1,50 Mio. € zurück und liegen damit um rund 600.000 € unter dem Vorjahr. Hauptgründe sind der Wegfall von rund 360.000 € für Straßen- und Wegeunterhaltung, da hierfür keine Förderbewilligungen vorlagen, und auch der Wegfall eines Ansatzes für die Flüchtlingsunterbringung in Höhe von 100.000 €, da aktuell kein Bedarf besteht.
Die Abschreibungen erhöhen sich auf 1,15 Mio. € (Vorjahr: 1,06 Mio. €). Der Anstieg basiert auf der aktuellen AfA-Vorschau aus dem Buchführungssystem und spiegelt die fortschreitende Investitionstätigkeit wider.
Insgesamt zeigen sich steigende Personal- und Abschreibungskosten, die jedoch durch eine deutliche Entlastung bei den Sach- und Dienstleistungen teilweise kompensiert werden.
Erläuterung Top 7 der Einzelpositionen:
1. Radwege:
Im Bereich der Radwegeinfrastruktur sind Gesamtinvestitionen von rund 1,25 Mio. € vorgesehen. Dem stehen erwartete Zuschüsse in Höhe von etwa 1,55 Mio. € gegenüber. Der größte Einzelposten ist der Radweg Abtsroda–Poppenhausen mit 950.000 €. Weitere Mittel fließen in die Weiterführung des Radwegs Ziegelhof (150.000 €), in Maßnahmen im Bereich Mooshecke (100.000 €) sowie die Endabrechnung des Fahrradunterstellplatzes mit 10.000 €. Damit wird die Radwegeinfrastruktur gezielt weiter ausgebaut und zugleich in hohem Maße durch Fördermittel unterstützt.

2. Brandschutz:
Für den Brandschutz sind im Haushalt insgesamt rund 411.000 € vorgesehen. Schwerpunkte bilden bauliche Maßnahmen an den Feuerwehrhäusern sowie Investitionen in Fahrzeuge und Ausstattung. Für den Anbau des Feuerwehrhauses Abtsroda sind 120.000 € eingeplant, für den Anbau des Feuerwehrhauses Steinwand weitere 40.000 € und für den Anbau des Feuerwehrhauses Rodholz 25.000 €. Darüber hinaus werden 120.000 € für den Aufbau eines TSF Logistik bereitgestellt. Ergänzend sind 42.000 € für Schutzkleidung sowie 8.000 € für Atemschutz vorgesehen, um die Ausstattung unserer Wehren auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen – zu unser aller Sicherheit.

3. Wasser / Abwasser:
Für die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sind im Haushalt insgesamt 215.000 € vorgesehen – ein mehrjähriger Schwerpunkt in diesem Bereich. Besonders wichtig ist in diesem Jahr die Ultrafiltrationsanlage in Abtsroda, für die 100.000 € eingeplant sind. Sie sorgt dafür, dass die im Trinkwasser festgestellten Trübungen zuverlässig beseitigt werden. Weitere 50.000 € sind für die Trinkwasserversorgung Tränkhof vorgesehen, 15.000 € für ein Trübungsmessgerät, das die Wasserqualität kontinuierlich überwacht.
Im Bereich Abwasser beginnt die Gemeinde mit der Fremdwasserbeseitigung bzw. der Reduzierung von Fremdwassereinträgen (Anm.: Zusätzliches Wasser, welches nicht aus den Haushalten oder Betrieben stammt.) mit 50.000 €, um langfristig die Kläranlage zu entlasten und die Abwassergebühren zu stabilisieren. Der aktuelle Investitionsplan sieht zudem weitere Maßnahmen in den kommenden Jahren vor, um die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung nachhaltig zu sichern. Außerdem ist hier auch die mögliche Suche nach einem weiteren Tiefbrunnen veranschlagt.
4. Software:
Für die digitale Verwaltung sind im Haushalt insgesamt 135.000 € vorgesehen. 100.000 € fließen in ein dringend benötigtes neues Buchungssystem, da das bisherige System veraltet ist und bald nicht mehr funktionsfähig wäre. 30.000 € sind für ein Zeiterfassungssystem für alle gemeindlichen Mitarbeitenden vorgesehen, das Arbeitsprozesse vereinfacht und die tägliche Erhebung der tatsächlichen Dienstzeiten erleichtert. Zudem wird/wurde das Dokumentenmanagementsystem „Regisafe“ eingeführt, das künftig auch für alle Mandatsträger:innen relevant ist. Zur Schulung der Mitarbeitenden und Mandatsträger:innen nach der Kommunalwahl sind 5.000 € im Haushalt eingeplant.
5. Treffpunkte:
Für die Förderung von Treffpunkten und Freizeitangeboten sind insgesamt 64.000 € im Haushalt vorgesehen. Damit unterstützt die Gemeinde unter anderem den Turnraum des TSV, die gemeindlichen Spielplätze, die Kegelbahn, einen Jugendraum sowie das Beachvolleyballfeld. Ziel ist es, die Begegnungs- und Freizeitmöglichkeiten für alle Generationen weiter zu stärken.
6. Innenentwicklung:
Für die Fortführung der Dorfmoderation zur Innenentwicklung sind 50.000 € vorgesehen. Geplant ist, dass die Dorfmoderation im August 2026 abgeschlossen wird, ggf. können schon erste Maßnahmen begonnen werden.
7. Fuhrpark Bauhof
Für den Bauhof sind 40.000 € vorgesehen, um verschiedene Fahrzeuge zu erneuern oder zu ersetzen. Damit wird die Einsatzfähigkeit und Effizienz des Bauhofs gesichert.

Für den Ausbau der erneuerbaren Energien im Bereich der Wasserversorgung sind 30.000 € für eine weitere Photovoltaikanlage vorgesehen. Zudem stehen 5.000 € für zusätzliche Geschwindigkeitsmessgeräte an den Ortseingängen und in den Ortsteilen bereit. Beide Maßnahmen sind Teil einer laufenden Investitionsstrategie, die in den kommenden Jahren fortgesetzt wird.
Erläuterung des Investitionsplans:
Hier möchte ich nur einige Maßnahmen herausgreifen: Dazu gehören der Straßenausbau sowie notwendige, teils sogar überfällige Endausbaumaßnahmen der Baustraßen in drei Baugebieten, mögliche Erwerbe von Grundstücken zur Innenentwicklung, die weitere Suche nach einem Tiefbrunnen, zusätzliche Maßnahmen zur Fremdwasserbeseitigung und der Ausbau der Photovoltaik. Mit diesen Investitionen wird die Infrastruktur der Gemeinde gezielt gestärkt und zukunftsfähig ausgebaut.

Resümee und Abschluss
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
wenn wir den Haushalt 2026 insgesamt betrachten, dann zeigt sich ein klares Bild:
Wir investieren nicht wahllos, sondern gezielt – dort, wo es für die Zukunft unserer Gemeinde notwendig und sinnvoll ist.
Die genannten Schwerpunkte – Radwege, Wasserversorgung, Brandschutz, Software und Digitalisierung, Innenentwicklung, Photovoltaik sowie Treffpunkte und Orte der Begegnung – stehen exemplarisch für das, was diesen Haushalt prägt:
Sicherheit, Daseinsvorsorge, Nachhaltigkeit und Zusammenhalt.
Es sind keine Projekte für schnelle Schlagzeilen.
Aber es sind Investitionen, die unsere Gemeinde funktionsfähig halten, Risiken reduzieren und Spielräume für kommende Jahre sichern.
Gerade in einer Zeit, in der die finanziellen Rahmenbedingungen enger werden, ist das ein Zeichen von Weitsicht.
Der Haushalt 2026 verlangt allen etwas ab:
- der Verwaltung
- den politischen Gremien
- und auch den Bürgerinnen und Bürger
Er verlangt Verständnis dafür, dass nicht alles gleichzeitig gehen kann,
und Vertrauen darauf, dass Entscheidungen aus Verantwortung getroffen werden.
Mir ist wichtig zu betonen:
Dieser Haushalt ist ehrlich.
Er verschweigt die strukturellen Probleme nicht, er rechnet Risiken nicht klein und er verspricht nichts, was wir nicht halten können.
Gleichzeitig schafft er die Grundlage dafür, dass Poppenhausen handlungsfähig bleibt – heute und in Zukunft.
Ich danke an dieser Stelle ausdrücklich unserem Kämmerer Stephan Unger für die sorgfältige und engagierte und vor allem schnelle Haushaltsaufstellung, die guten Vorschläge die detaillierten Erläuterungen und Erklärungen im Vorfeld an die Fraktionen.
Ich danke dem Gemeindevorstand für die konstruktive Zusammenarbeit
und Euch, den Mitgliedern der Gemeindevertretung, für die sachliche Beratung dieses Haushalts, die hiermit ihren Startschuss erhält.
Ich bitte Sie um Ihre Zustimmung zu diesem Haushalt –
er ist notwendig und solide.
Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen,
dass Poppenhausen auch unter schwierigeren Rahmenbedingungen
eine verlässliche, lebenswerte und zukunftsfähige Gemeinde bleibt.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Alexandra Ballweg
