Poppenhausen als Tourismus-Gemeinde
Im ersten Jahrzehnt vorigen Jahrhunderts war die Gemeindeverwaltung von Poppenhausen bemüht, den Marktflecken dem Fremdenverkehr zugänglich zu machen. Zusammen mit den Männern des Rhönklubs wurde eine wirksame innere und äußere Fremdenwerbung durchgeführt. Während der Rhönklub die Schönheiten der Landschaft durch Anlage und Markierung der Wanderwege sowie durch Aufstellung von Ruhebänken erschloss, bemühte sich die Gemeinde, um Anschluss an das Verkehrsnetz zu bekommen. In den Jahren 1907 bis 1924 wurden mehrere Bahnbauprojekte ausgearbeitet, bis schließlich, als sie durch den ersten Weltkrieg nicht verwirklicht werden konnte, im Jahre 1924 die Kraftpostlinie Poppenhausen – Fulda eingerichtet wurde.
Durch die Initiative der Gemeinde wurde diese Linie durch eine weitere Postbuslinie Poppenhausen – Gersfeld – Bischofsheim – Neustadt ergänzt. Schließlich gelang es der Gemeinde, dass die Linie Poppenhausen – Abtsroda – Wasserkuppe eingeführt wurde. Vor einigen Jahren wurde die Streckenführung geändert. Jetzt verläuft die Bus-Route von Fulda über Künzell, Dietershausen, Weyhers, Poppenhausen, Abtsroda über die Wasserkuppe. Mit 10 Fahrverbindungen aus und in das Oberzentrum wird eine ausreichende Anzahl von Fahrten für den öffentlichen Personennahverkehr zur Verfügung gestellt.
Im Sommer 2014 wurde die Ortsumfahrt Dipperz als Teilstück der Bundesstra0e 458 fertiggestellt. Seither ist Fulda bzw. Poppenhausen „barrierefrei“, d.h. ohne eine Ortschaft durchfahren zu müssen, in etwa 14 Minuten Fahrzeit erreichbar, zum Autobahnanschluss Fulda-Mitte benötigt man von Poppenhausen nur 12 Fahrminuten. So ist Poppenhausen dem Verkehr insgesamt gut erschlossen.
Am 19.8.1930 (Amtsblatt der Reg. Kassel v. 30.8.1930) erhielt die Gemeinde die amtliche Ortsnamenbezeichnung „Poppenhausen a. d. Wasserkuppe“.
Als eine der ältesten Fremdenverkehrsgemeinden der Rhön gehörte Poppenhausen Jahrzehnte dem Fremdenverkehrsverband Kurhessen-Waldeck an, mit dem er lange seine Fremdenwerbung durchführte. Inzwischen bildeten die zentralen Rhöner Tourismusgemeinden Ehrenberg, Gersfeld, Hilders, Hofbieber, Poppenhausen und Tann die Regionale Arbeitsgemeinschaft „Die Rhöner“, die effektiv, wirtschaftlich und insgesamt erfolgreich die Tourismusentwicklung fördert.
Lange unterhielt die Gemeinde eine Kurort-Klimastation, so dass sie auf Grund ihres amtlichen Klimagutachtens und ihres bioklimatischen Gutachtens den Fremdengästen genaue Auskunft über die Klimaverhältnisse des Ortes geben kann. Für eine einwandfreie Trinkwasserversorgung wurde durch den Bau einer neuen, hygienisch einwandfreien Wasserleitung Sorge getragen. Die Gemeinde hat weiterhin das Ortsstraßennetz ausgebaut und eine ausreichende Ortsbeleuchtung eingerichtet. Die Hotels, Gasthäuser und auch die Privatpersonen haben sich im Zuge einer intensiven inneren Werbung den modernen Ansprüchen des Tourismus angepasst.
Viel für unsere Fremdengäste hat der Rhönklub getan. Am Kühlküppel schuf er die Poppenhäuser Schutzhütte als reizvollen Anziehungspunkt für die Wanderer und am Guckaisee die originelle Poppenhäuser Ecke, ganz abgesehen von den vielen Ruhebänken, die der Rhönklub unterhält.
Im Jahre 1962 wurde eine weitere Schutzhütte am Pferdskopf in der Nähe des Krieger-Gedenkkreuzes, das am 6. Juli 1916 Kaplan Konrad Trageser (1942 im KZ Dachau verstorben) von der Poppenhäuser Jugend errichten ließ, erbaut.
Wesentliche Verdienste um den Ausbau der Anlagen am Stein hat auch die Kirchengemeinde St Georg unter Initiative von Pfarrer Josef Albinger, der die Mariengrotte gestaltete und das Leuchtkreuz errichtete. Er ließ auch die Leichenhalle erbauen, die nach den Plänen des Diözesanbaumeisters R. Schick gestaltet wurde. Diese wurde inzwischen durch eine neu gestaltete Überdachung mit attraktiver Platz und Wegegestaltung ersetzt, die vom Kirchbauverein mit Pfr. Erwin Lachnit finanziert wurde.
Die Kirchengemeinde St. Georg Poppenhausen sorgte unter Pfr. Ferdinand Rauch mit Unterstützung des Kirchbauvereins sowie der Politischen Gemeinde, der Jagdgenossenschaft Poppenhausen und weiteren Spendern dafür, dass in den Jahren 2012-2014 die Stationshäuschen am Kalvarienberg und auch die Steinkapelle mit Umfeld saniert wurden.
Kirchenmaler Schiffhauer schuf das Glasfenster „Jonas im Bauch des Fisches“. So ist die Gemeinde ständig bemüht, den Kurgästen den Aufenthalt in der Rhön zu einem wirklich erholsamen Erlebnis werden zu lassen.
Die steigenden Fremdenverkehrszahlen deuten an, dass alle Kurgäste, die einmal die landschaftlich reizvolle Gegend von Poppenhausen besuchten, gerne wieder zurückkommen.
Am 15. Dezember 1961 wurde die Gemeinde vom Hessischen Fachausschuss für Bäder, Heilquellen, Kur- und Erholungsorte in Wiesbaden als Luftkurort anerkannt.
Dieses Prädikat konnte bei den fortlaufenden Überprüfungen jeweils bestätigt werden.
Heute werden durch das Beherbergungsgewerbe etwa 880 Betten angeboten. Die registrierten Übernachtungszahlen konnten in den vergangenen Jahren auf jetzt etwa 107.000 gesteigert werden.
Neben der Landwirtschaft und dem gewerblichen Mittelstand gehört der Tourismus zu den drei tragenden Säulen der Wirtschaftskraft im ländlichen Raum. Die Gemeinde hat die touristische Infrastruktur erkennbar erweitert.
Motor dieser Entwicklung waren insbesondere die drei Bürgermeister seit der Gebietsreform in 1972: Bürgermeister Hubert Rommel (1973-1983), Bürgermeister Wolfgang Wehner (1983-2001) und Bürgermeister Manfred Helfrich (seit 2001), der zugleich auch Vorsitzender des Vereins für Tourismus ist. Als Beispiele seien der Bau des Freischwimmbades, das Fremdenverkehrszentrum mit integrierter Tourist-Information, das Sport- und Freizeitgelände Lüttergrund mit Sportplätzen, Tennisanlage, Kneippanlage, Ententeich und Voliere, die Stellplatzanlage für Wohnmobile, die Ausweisung des Nordic-Walking-Panorama-Parks, der Bau des großen Gemeinschaftshauses, des „Von-Steinrück-Hauses“ mit Kegelbahn, die Markierung von zahlreichen Wander-, Mountainbike- und Fahrradwegen und der Bau von neuen Rad- /Fußwegeverbindungen sowie die Anlegung von mehreren Themenwegen (Die Poppenhausener Kunstmeile zwischen dem Grabenhöfchen und der Maulkuppe,, den Hugo-Schubert-Weg, den Poppenhausener Liebesweg und den Poppenhauseneer Früchtepfad) genannt.
Nicht zuletzt wegen der zahlreich vorhandenen Möglichkeiten präsentiert sich die Rhöngemeinde seit geraumer Zeit nach innen und außen als „Die Natursportgemeinde im Biosphärenreservat Rhön“.