Wie kann sich Poppenhausen in den kommenden Jahren weiterentwickeln?
Diese Frage stand im Mittelpunkt der Dorfmoderation zur Innenentwicklung, deren Ergebnisse jetzt im Rahmen einer Bürgerversammlung vorgestellt wurden. Rund 90 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen. Sie bewiesen damit erneut ein großes Interesse an der Zukunft ihres Ortes.
Vinzenz Dilcher und Lukas Schomaker vom beauftragten Fachbüro UmbauStadt stellten die Ergebnisse der bisherigen Arbeit vor. Die bislang identifizierten Projekte und Entwicklungsmöglichkeiten wurden ausführlich erläutert und diskutiert.
Drei konkrete Projekte für 2027
Hervorgehoben wurden zunächst drei Projekte, welche die Gemeinde für 2027 im Rahmen des Förderprogramms “Zukunft Innenstadt” vor kurzem beantragt hat:
1. Konzeptvergabe für das Areal der ehemaligen Möbelwerkstatt
Für das Fabrikgelände im Ortskern soll ein Wettbewerb ausgeschrieben werden: Gesucht wird nicht der meistbietende Investor, sondern derjenige, der das beste Nutzungskonzept für unser Dorf realisieren will. Primär geht es um die Schaffung von attraktivem Wohnraum, idealerweise für mehrere Generationen unter einem Dach.
2. Verkehrskonzept
Gemeinsam mit Fachleuten soll untersucht werden, wie wir der Verkehrsprobleme in Poppenhausen Herr werden können. Der Schwerpunkt soll auf dem ruhenden Verkehr liegen, aber auch auf dem Fuß- und Radverkehr. Die Frage, wie sich die Aufenthaltsqualität im Ortskern steigern lässt, soll bei der Betrachtung leitend sein.
3. Soziales Zentrum im ehemaligen Hort
Die derzeit leerstehenden Räumlichkeiten des ehemaligen Kinderhortes sollen einer neuen Nutzung zugeführt werden: Geplant ist die Schaffung eines sozialen Zentrums und einer Begegnungsstätte. In einem intensiven Beteiligungsprozess wurde der Bedarf ermittelt: Unterstützungsangebote für Familien, Ehrenamtskoordination, Angebote für ältere Menschen und Menschen mit Unterstützungsbedarf, Kultur- und Begegnungsangebote, Sichtbarmachung und Bündelung von Vereinsaktivitäten Die drei Projekte sind zusammen mit 265.000 Euro veranschlagt. Sie können mit 80% gefördert werden. Die Entscheidung fällt bereits Ende November.
Weitere Projektideen
Weitere Ideen, die im Zuge der Dorfmoderation aufkamen, waren die Neugestaltung der Ortseingänge, die Entwicklung eines Erholungs- und Begegnungsbereichs an der Seufzerallee unterhalb der Haardt, die Nachnutzung des ehemaligen EDEKA-Marktes sowie eine Aufwertung des Marktplatzes und des Von-Steinrück-Platzes. All dies gilt es nun zu prüfen und hinsichtlich des Kosten-Nutzen-Verhältnisses abzuwägen.
Unterstützung von privaten Eigentümern
Die Innenentwicklung soll insbesondere den Eigentümerinnen und Eigentümern von leerstehenden und wenig genutzten Gebäuden neue Perspektiven eröffnen. Deshalb ist es wichtig, sie auf mehreren Ebenen zu unterstützen. Die geführten Gespräche haben deutlich gemacht, dass viele Besitzer zwar grundsätzlich Interesse haben, ihre in die Jahre gekommenen Immobilien neu zu beleben. Allerdings bestehen oft Unsicherheiten bezüglich der Spielräume und Rahmenbedingungen: Welche Nutzungen sind für meine Immobilie überhaupt denkbar? Macht der Denkmalschutz Probleme oder birgt er Chancen? Ist eine Umnutzung zulässig? Wie kann ich unterstützt werden und welche Fördermöglichkeiten gibt es?
Aus diesem Grund soll eine Beratungsinitiative gestartet werden. „Hier können wir Möglichkeiten aufzeigen und helfen, dass aus Leerständen wieder etwas entsteht“, so die Bürgermeisterin. Rahmen und Umfang werden derzeit geprüft.
Das mittelfristige Ziel: Aufnahme in das Programm “Dorfentwicklung”
Ein wichtiger Schritt ist die Bewerbung um die Anerkennung als Förderschwerpunkt des Hessischen Programms “Dorfentwicklung”. Die Ergebnisse der Dorfmoderation dienen hier als Grundlage für die Bewerbung. Mit dieser Anerkennung wären auf einen Zeitraum von mehreren Jahren Fördermittel für private und kommunale Projekte abrufbar. Florian Hütsch, Fachbereich Regionalentwicklung des Landkreises Fulda machte diesbezüglich Mut: “Mit dem Rückenwind des Landkreises” sei eine Anerkennung als Förderschwerpunkt realistisch. In welcher Höhe diese Mittel schlussendlich zur Verfügung stünden, hänge von der Landespolitik ab.
Großes Interesse und viele Fragen
Die anschließende Diskussion zeigte, wie groß das Interesse an der Entwicklung Poppenhausens ist. Zahlreiche Fragen und Anregungen aus dem Publikum wurden aufgenommen und diskutiert. Klar ist, dass die Innenentwicklung ein langfristiges Geschehen ist. Auch im Hintergrund werden unglaublich viele konstruktive Gespräche mit Eigentümer:innen geführt. Manche Projekte müssen reifen, die Abstimmung der Beteiligen benötigt Zeit. Dass die Dorfmoderation viel in den Köpfen bewegt hat, davon ist Bürgermeisterin Alexandra Ballweg überzeugt: „Wir haben in Poppenhausen gerade eine unglaublich positive Energie.” Die Dorfmoderation habe gezeigt, wie viel Potentiale vorhanden sind und wie viele Ideen es gibt. „Jetzt müssen wir den Schwung nutzen, Prioritäten setzen und ins Handeln kommen. Wir werden nicht auf 2028 warten, um anzufangen“, betonte die Bürgermeisterin. „Wir stoßen bereits jetzt die ersten Dinge an. Aus Ideen werden Projekte – und aus Projekten sichtbare Veränderungen für Poppenhausen.“
